Das Rathaus

Begibt man sich in Wuppertal auf Spurensuche, so wird man schnell feststellen, dass die Stadt im Grunde zwei Rathäuser hat. Eins davon steht mitten in Elberfeld, am Ende des Neumarkts zwischen Willy-Brandt Platz und der Friedrichstraße. Es ist das ältere Gebäude und wurde im Jahre 1900 feierlich durch den damaligen Kaiser Wilhelm II. eingeweiht, seines Zeichens übrigens der letzte deutsche Kaiser.

Vorher hatte Elberfeld natürlich auch ein Rathaus und das Gebäude findet man noch immer. Heute tarnt es sich als Von der Heydt Museum und lässt zumindest noch erahnen, welch gewaltigen Platzunterschied der Neubau machte. So zogen Verwaltung und der Stadtrat also um – doch Elberfeld sollte nicht lange ihre Heimat bleiben.

Auch wenn das Schlossartige Gebäude wirklich sehr hübsch ist, ging es 29 Jahre nach der Eröffnung mit Sack und Pack nach Barmen. Warum? Aus den Städten Elberfeld und Barmen wurde die Stadt Wuppertal. Da das etwas jüngere Rathaus in Barmen mehr Platz bot, führte kein Weg an dem Umzug vorbei. Nur Teile der Verwaltung blieben in Elberfeld. So wurde aus dem Rathaus offiziell ein Verwaltungshaus – auch wenn viele Elberfelder es anders nennen.

Das Rathaus in Barmen steht am Johannes Rau Platz. Die Grundsteinlegung fand im Jahre 1908 und die Einweihung - ohne Kaiser, der war nämlich drei Jahre zuvor abgedankt - dann 1921 statt. Wie oben schon erwähnt war es deutlich größer als das Gebäude in Elberfeld, was sicher zu großen Teilen an dem Wettstreit der Städte lag. Im zweiten Weltkrieg wurde das Rathaus völlig zerstört und dann 1958 wieder errichtet. Seit dem ist dort der Hauptsitz der Stadtverwaltung, des Oberbürgermeisters und des Stadtrats. Aber auch das Standesamt befindet sich dort. Im Grunde könnte man sagen, das Rathaus ist unser politisches Spielbrett. Auf ihm befinden sich eine Vielzahl von Spielfiguren, die sich auf ihm bewegen und handeln.
Einer von ihnen ist der Oberbürgermeister, der im Rathaus sein eigenes Büro hat. Sollte ihr ihn mal besuchen wollen, findet ihr ihn im Zimmer A-136. Ebenfalls dort angesiedelt sind die Fraktionen, die eine große Spielerguppe bilden. Sie haben ihre Büros verteilt in der ersten und zweiten Etage. Das Highlight für die kleineren oder im Herzen jung gebliebenen Besucher ist aber wohl ohne Zweifel der Paternosteraufzug, der bis 16 Uhr jedem offen steht.

Optische herausragend ist ohne Frage der Ratssaal. Er befindet sich in der zweiten Etage des Gebäudes, unmittelbar über dem Eingangsbereich. Dort tagt, man kann es sich fast denken, der Stadtrat. Natürlich gibt es genug Platz für Zuschauer, denn die Sitzungen sind in der Regel öffentlich – und auch wenn die Stühle nicht so aussehen, als Zuhörer sitzt man bequemer als so manches Mitglied des Stadtrates. Zwischen den Zuschauerrängen haben die 70 Ratsmitglieder ihren Platz. Ihnen gegenüber sitzen der Oberbürgermeister und die Dezernenten.

Nun ist vielleicht die Frage aufgekommen, was so ein Stadtrat ist. Das ist recht leicht zu erklären – dennoch ist es unsere Geschichte für nächstes Mal.

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